Orgel: Walcker-Orgel Opus 3340

(ehemals Stadtsaalorgel Innsbruck)

Nach mehreren ergebnislosen Versuchen für unsere Kirche eine Orgel anzuschaffen, war die Sensation Anfang 2015 perfekt. Die Walcker-Orgel des Stadtsaales Innsbruck übersiedelte 2016 in unsere Pfarrkirche zum Hl. Josef dem Arbeiter. Der Weg bis zu dieser Orgel war aber durchaus steinig.

  

 ..."Die orgl ist doch in meinen augn und ohrn der könig aller instrumenten."
Wolfgang Amadeus Mozart, Brief an den Vater, Augsburg, den 17. Oktober 1777

Pfarrkirche Ötztal Bahnhof auf dem Weg zur Orgel

Im Jahr 1969 wurde für die Pfarrkirche Ötztal Bahnhof die heute noch bestehende elektronische Orgel um fast 100.000,00 Schilling angeschafft. Schon von Beginn an zeigte sich, dass diese Orgel für unsere große Kirche etwas zu klein dimensioniert war. Außerdem geht aus den Aufzeichnungen hervor, dass sie nicht sehr robust war und bereits ab 1972 mehrmals repariert werden musste.

Im Jahr 1998 bemühte sich der Kirchenchor Ötztal Bahnhof um die Anschaffung einer neuen Kirchenorgel. Im Pfarrarchiv sind einige Kostenvoranschläge von damals vorhanden. So wurde von der Kulturabteilung im Amt der Tiroler Landesregierung am 02.12.1998 ein Betrag in der Höhe von 200.000 Schilling auf Ansuchen des Kirchenchorleiters Hr. Peter Valtingojer für die Anschaffung einer neuen Kirchenorgel subventioniert. Aus unerfindlichen Gründen wurde diese Subvention dann aber seitens des Pfarrers Franz Lanbach abgelehnt und die Anschaffung einer neuen Kirchenorgel für die Pfarrkirche Ötztal Bahnhof wieder auf Eis gelegt.

Im Jahr 2010 gründete der damalige Pfarrgemeinderat eine interne Orgelkommission mit Mag.a Barbara Götsch, Pfarrer Mag. Volodymyr Voloshyn, Christiana Pucher, Maria Eiter-Heiß und Dir. Josef Pohl. Diese fünf sollten einen erneuten Versuch starten, den Neubau einer Orgel voranzutreiben. Ein erster Kostenvoranschlag belief sich auf satte € 270.000,00.

Die Vorgaben der diözesanen Orgelkommission waren aber finanziell und bautechnisch nicht durchführbar und so starb dieses Projekt erneut. Außerdem machte uns der Denkmalschutz zusätzlich einen Strich durch die Rechnung.

 

„Königin der Instrumente“ übersiedelte nach Haiming

Die Stadtsaalorgel in der Pfarrkirche Ötztal Bahnhof

Ein Artikel in der Tiroler Tageszeitung im Jänner 2015 war dann für die beiden Pfarrgemeinderatsmitglieder Manfred Egger und Josef Pohl Anlass einer informellen Anfrage an die Stadt Innsbruck. Der Orgelbauer Pirchner Andreas aus Steinach am Brenner nahm unsere Einladung an und nahm Maß in unserer Pfarrkirche und versicherte uns, dass die Walcker-Orgel auf die Empore passen würde.  Nach dem Motto „Fragen kostet nichts“ bezeugten wir dann erstmals schriftlich Interesse an der Stadtsaalorgel. Der Pfarrgemeinderat wurde in einer Sitzung informiert und dann hieß es warten, denn von Innsbruck kam lange Zeit keine Antwort. Die Entfernung der Orgel aus dem Stadtsaal war von Seiten der Stadt bereits beschlossene Sache, der Abbau ausgeschrieben und Abnehmer wurden gesucht. In den Medien wurden immer Standorte wie Sankt Petersburg oder Kirchen in Innsbruck und dem benachbarten Deutschland propagiert. Nachdem sich aber Innsbruck „orgelgesättigt“ und Sankt Petersburg logistisch und finanziell nicht in der Lage zeigte und die Orgel nach den Richtlinien des Denkmalschutzes ohnehin in Österreich bleiben sollte, blieb nur mehr eine logische Alternative, nämlich unsere Pfarrkirche. 

Viele Telefonate und Emails waren aber nötig, damit der Standort in unserer Pfarre auch in den richtigen Fokus rückte und von Innsbruck als sinnvoll erachtet wurde. Der von der Stadt beauftragte Ogelbauer Rösel Andreas aus Saalfeld kam schließlich in unsere Kirche, war schlichtweg begeistert und schrieb auch eine eindeutige Empfehlung für diesen Standort. Außerdem lud er Anfang April 2015 den Organisten Mag. Michael König, der im Stadtsaal ein letztes Orgelkonzert gab, sowie die Verantwortlichen des Ferdinandeums, darunter Dr. Franz Gratl zu einer Besichtigung in unsere Kirche ein.  In der Zwischenzeit führten Manfred Egger und Josef Pohl mit der Gemeindeführung ein Gespräch und in einer Gemeinderatssitzung wurde eine Unterstützung von 50% der Gesamtkosten beschlossen.

Alle waren der Meinung, dass für die Orgel innerhalb Österreichs kein besserer Platz gefunden werden kann. Nach dem O.K. des eigens beauftragten Statikers fehlten schlussendlich nur mehr die endgültigen Zusagen der Stadt Innsbruck und des Bundesdenkmalamtes. Hier wären wir aber beinahe an den Rand der Verzweiflung getrieben worden, denn diese verwiesen ständig auf die fehlenden Zusagen der jeweils anderen Institution. Ein klärendes Telefonat und eine weitere schriftliche Zusage unserer Pfarre waren nötig und so wurden alle erforderlichen Schritte seitens des Denkmalschutzes und der Stadt Innsbruck vertragsfertig vorbereitet. Die Walcker-Orgel aus dem Stadtsaal Innsbruck wurde 22.09.2015 durch einen Schenkungsvertrag an die Pfarre Ötztal Bahnhof übergeben.

 

Selbstportrait Walcker-Orgel Opus 3340

Wer ich bin: Ich bin eine Orgel. Ein Musikinstrument. Meine Mission ist es, Töne zu erzeugen und dadurch Musik entstehen zu lassen. Ich bestehe aus den Materialien Zinn, Blei, Kupfer, Eichenholz, Leder, Rinderknochen usw.

Wer wollte mich haben: Im Zweiten Weltkrieg wurde der alte Innsbrucker Stadtsaal und seine Orgel zerstört. Zehn Jahre später wollte die Stadt Innsbruck wieder über eine künstlerisch wertvolle Konzertorgel verfügen, die allen Ansprüchen, die man damals an eine Orgel stellen konnte, gerecht werden sollte.

Damalige Kosten: ÖS 600.000,00 (98.000,00 DM)

Mein Erbauer: Die Orgelbaufirma E. F. Walcker & Cie. aus Ludwigsburg (Deutschland)

 

Mit 3524 Pfeifen und 46 Registern, verteilt auf drei Manuale und Pedale, war ich bis 2008 die zweitgrößte und bis 2015 die drittgrößte Orgel in Innsbruck, sowie die größte Konzertsaalorgel Österreichs westlich von Salzburg.

Ich wurde so gebaut, dass alle Voraussetzungen für ein künstlerisch hochwertiges Spiel erfüllt sind.

Besonderes geschätzt wurde der sanfte und doch kräftige Chor der sog. Zungenregister (Trompeten, Posaunen etc.). Außerdem gefiel mein Klang, weil er sich durch Weichheit, Wärme und Klarheit auszeichnet.

Meine größte Pfeife misst 5,60 Meter, hat einen Durchmesser von 26 cm und wiegt mehr als einen Zentner. Meine kleinste Pfeife ist gerade einmal 1 cm lang.

Für die damaligen Sachverständigen war ich in jeder Hinsicht ein richtungsweisendes Instrument und ein Meilenstein auf dem Entwicklungsweg mechanischer Schleifladenorgeln.

Doch 2015 wurde ich beinahe ausgesetzt. Fast unter dem MOTTO: Wer will mich?

Aber Organist Mag. Michael König, sowie Dr. Franz Gratl und Mag. Andreas Holzmann vom Ferdinandeum fassten sich ein Herz und verhinderten meinen Niedergang. Auch das Denkmalamt, als mein fürsorglicher Beschützer (Pate) hat für ein neues und würdiges Zuhause gesorgt und so Schlimmeres verhindert. Durch meinen plötzlichen Bekanntheitsgrad wurde ich von den Verantwortlichen der Pfarre Ötztal Bahnhof entdeckt und sofort liebgewonnen.

Mit einem Schenkungsvertrag der Stadt Innsbruck an die Pfarre Ötztal Bahnhof, basierend auf einem Grundsatzbeschluss des Stadtsenates vom 6. Mai 2015, wurde mein Fortbestand als klingendes Musikinstrument gesichert.

Die Pfarre Ötztal Bahnhof freut sich sehr auf mich und bringt mir Wertschätzung entgegen, die ich mir die letzten Jahrzehnte über nicht hätte erträumen lassen.